Mai 30th, 2010

Kugel rund – na und?

Wenn man über 9 Monate schwanger ist, dann kann man sich irgendwann nicht mehr vorstellen – es einmal nicht gewesen zu sein.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und man möge es kaum glauben, ich gewöhnte mich an meine wässrigen Beine, meine dicke Kugel vor mir und dass ich keine Treppe mehr gehen konnte, ohne laut zu keuchen.

Ständig verschwitzt und trotzdem gut gelaunt wandelt man als Hormonjunkie durch die Welt und freut sich nun über alles was mit Babys zu tun hat.
Alle Hersteller sämtlicher Kinderwägen aufzuzählen, Vor und Nachteile abzuwägen und jede Entwicklungsstufe des kleinen Zellhaufens erklären zu können – kein Problem.

Irgendwie wird man zur Fachfrau…liest und liest. Man vergisst die Welt um sich…schlimmer noch: Man denkt über die Welt da draußen kaum noch nach.

War ich früher irgendwie entsetzt über diese „Super-Mamis“, fühlte ich mich nun von ihnen magisch angezogen.

Nicht eine Sekunde trauerte ich meinen stundenlangen Shoppingtouren oder allabendlichen Parties nach. Sogar ein wenig Mitleid hatte ich für die Mädels, die nichts anderes im Sinn haben.
Irgendetwas in mir war bereit auf das Abenteuer Muttersein.
Auch wenn man auf den Ultraschallbildern irgendwann gerade mal den Umriss eines Füßchens erkennen konnte, kramte ich dieses bei jeder Gelegenheit hervor um es allen Anwesenden zu präsentieren. Mein kleines Baby – hach!

Und ob man es glaubt oder nicht… ich war von Anfang an davon überzeugt, dass es ein Mädchen wird.
Mein Mann dagegen hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Gefesselt und nach einem männlichen Genital suchend, fixierte er den Ultraschallbildschirm.
Ich strahlte bis über beide Ohren, als die Ärztin sagte: Von einem Jungen ist hier nichts zu sehen. Es wird ein Mädchen.

Fortan begann die Suche nach rosa Klamotten. Alles musste rosa sein: Der Kinderwagen, das Kinderzimmer, Bodies, Strampler und Mützchen.
Nachdem ich ein Vermögen für all diese Sachen ausgegeben hatte, wäre ich auch im Fall der Fälle dazu bereit gewesen, notfalls ebenfalls einen kleinen Jungen in eine rosarote Prinzessin zu verwandeln, mit allen Konsequenzen.

Aber ich hatte großes Glück, mein Baby blieb ein Mädchen.
Daumen lutschend, gähnend und mit Schluckauf wuchs sie in mir heran.

Nur die Gute wollte sich nicht drehen. Im Schneidersitz saß sie in meinem Bauch und fühlte sich wohl so ganz gut.
Es interessierte die Kleine nicht im Geringsten, dass ich bereits mehrere Abende an einem Geburtsvorbereitungskurs teilgenommen hatte und bereit war für eine natürliche Geburt.
Die Atemübungen konnte ich aus dem FF, der Koffer für die Klinik war 6 Wochen vorher bereits gepackt.
Nachts träumte ich bereits von Senk und Presswehen, auf einem Pezziball hatte ich meine Lieblingsentbindungsstellung gefunden.
Doch es sollte anders kommen.
Sie drehte sich nicht! Die Hebammen empfahlen mir nun meinen Zeh mit einer Zigarre zu beräuchern. Moxen heißt der Spaß, der mich veranlasste, alle 2 Tage in die Klinik zu fahren um dann stinkend wieder nach Haus zu kommen, und auf die ersehnte Drehung meines Kindes zu warten.

Nein, ich bin kein Esoteriker und kein Globulifresser. Ich gehe nicht oder nur selten zu Geistheilern und glaube nur Dinge, die wissenschaftlich erwiesen sind.
Ich habe immer geschmunzelt, wenn es hieß: Du hast Sodbrennen? Ach die Haare des Kindes wachsen.

Aber man probiert es eben aus – der Kleinen war die stinkende Zigarre an meinem Zeh egal und sie blieb in ihrer Stellung. Traurig zog ich die Möglichkeit eines Kaiserschnittes in Betracht.

This entry was posted on Sonntag, Mai 30th, 2010 at 14:53 and is filed under Schwangerschaft. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

Antwort verfassen

You must be logged in to post a comment.